Historie
Das Schloss Osterstein, als ehemaliges Stadtschloss von Zwickau,
wurde erstmalig 1292 erwähnt als „Castrum Czwickaw“.
Der Name Schloss „Osterstein“ lässt sich erst ab
Mitte des 16. Jahrhunderts in den Dokumenten des Stadtarchivs nachweisen.
Markgraf Dietrich von Meißen erwirbt Anfang des 13. Jahrhunderts
die Stadt und somit die Burg. Jedoch noch am Ende des gleichen Jahrhunderts
gehen Stadt und Burg in den Besitz des Reiches über. Zwickau
wird zur Reichsstadt. In den endgültigen Besitz der Wettiner
geht die Stadt und die Burg Ende des 14. Jahrhunderts. Bei einem
Stadtbrand 1403 wurde es stark beschädigt und später abgerissen.
Unter Markgraf Wilhelm I. kam es bis 1407 zur Wiedererrichtung und
wurde in deren Folge immer weiter ausgebaut.
Von 1308 residierten in der Burg und späteren Schloss die
vom regierenden Landesherrn eingesetzten Hauptmänner bzw. Amtshauptmänner.
Diese lassen sich namentlich ab 1219 nachweisen, der Erste hieß
Herold und 1780 der Letzte Friedrich Gottlob von Metzsch auf Reuth
und Stangengrün.
In der Folgezeit diente der Bau einigen Kurfürsten auf ihren
Reisen als Quartier.
Als im Jahre 1517/18 in der Residenzstadt Weimar die Pest ausbrach,
fungierte es als Ausweichresidenz für Herzog Johann und seine
Familie. Am 25. April 1518 wurde hier Prinzessin Margarete geboren,
die Taufe erfolgte noch am gleichen Tag in der neben dem Schloss
befindlichen Katharinenkirche.
Martin Luther hielt am 2. Mai 1522 eine weithin beachtete Predigt
im Schloss vor vielen, hauptsächlich geistlichen Zuhörern,
in der es vor allem um den Glauben, die Liebe, das Amt des Priesters,
die Taufe aber auch um das Gebet für Verstorbene ging.
1530 bis 1533 wurde der Bau im Rahmen der sogenannten Münztrennung
als kurfürstliche Münzstätte genutzt. Auf Veranlassung
des sächsischen Kurfürsten „Johann der Beständige“
aus dem Herrscherhaus der Ernestinischen Linie wurden hier Münzen
mit den Wertstufen Taler, halbe Taler, Schreckenberger Groschen
u.a. geprägt.
Nach dem Schmalkaldischen Krieg 1546/47 fiel Zwickau dem Albertinischen
Sachsen zu mit dem damaligen Landesherrn Kurfürst Moritz. Es
ist urkundlich nicht belegt, ob dieser jemals Zwickau besuchte.
Es befindet sich aber ein Originalsiegel des Kurfürsten im
Stadtarchiv.
Unter Kurfürst Christian I wurde Schloss Osterstein von 1587
bis 1590 zu einem der repräsentativsten Renaissanceschlösser
Sachsens umgebaut. Die erforderlichen Planungen erfolgten auf Geheiß
seines Vorgängers Kurfürst August. Der kurfürstliche
Baumeister Hans Irmisch fertigte die Entwürfe.
Am 23./24. Februar 1610 erfolgte der erste bedeutende Besuch im
neuen Schloss, Kurprinz Herzog Johann Georg mit seiner Gattin. Wenige
Jahre später, 1615, beehrte er nochmals die Stadt und das Schloss,
hier aber schon als Kurfürst.
Im Dreißigjährigen Krieg diente der Bau z.B. Anno 1619
als Quartier für eine sogenannte Schutzkompanie aus ca. 300
Personen unter Befehl von Oberstleutnant Dietrich von Starschedel.
Diese aber plünderten und brandschatzten in der Stadt. Im August
1632 belagerten und beschossen kaiserliche Truppen unter Leitung
von General Holk die Stadt mit dem Schloss. Am 18. August des Jahres
erfolgte die Kapitulation, und es verblieben etwa 200 Mann unter
Befehl von Kapitän Nik. Thams von Straßburg in der Stadt.
Diese waren vorwiegend im Schloss einquartiert. Am 14. Oktober 1632
besetzte der kaiserliche General Wallenstein die Stadt, plünderte,
kontribuierte und entwaffnete sie. Nach dem die Hauptmacht der kaiserlichen
Truppen abgezogen waren, verschanzte sich der verbleibende Rest
im Schloss. Nach der am 6. November 1632 verlorenen Schlacht bei
Lützen suchten, unter Befehl von Oberst Baron Ernst von Suys
und Oberst Lamboy, einige der geschlagenen kaiserlichen Regimenter
Zuflucht in Zwickau. Das Schloss, das daneben stehende Kornhaus
und die Katharinenkirche wurden verbarrikadiert und zu einer Zitadelle
ausgebaut. Unter Herzog Bernhard von Sachsen belagerten ab 14. Dezember
1632 die Schweden die Stadt. Der Beschuss erfolgte hauptsächlich
vom Brückenberg aus und das Schloss und das obere Tor bildeten
das Hauptziel. Am 25. Dezember 1632 kapitulierten die Kaiserlichen
und verließen kurze Zeit später zu Fuß, zu Ross,
mit Huren, mit Trossbuben und Bagagewagen Zwickau in Richtung Böhmen.
Durch den fortlaufenden Beschuss kam es zu einer Reihe von schweren
Schäden am Bau die auch noch spätere Jahrzehnte sichtbar
waren. Anfang 1633 brach auch in Zwickau die Pest aus. Im August
dieses Jahres tauchte vor den Zwickauer Stadttoren der gefürchtete
General Holk ein weiteres Mal auf. Durch den „Schwarzen Tod“
blieb der Stadt aber eine Besetzung erspart und er lagerte mit seinen
Truppen in Planitz. Es wurden nur 100 Mann als Besatzung in Schloss
Osterstein einquartiert und diese fielen bis auf vereinzelte Ausnahmen
ebenfalls der Pest zum Opfer. Im Oktober 1636 rückte das Regiment
des Oberst Karl von Bose, welches jetzt auf kaiserlicher Seite kämpfte,
in die Stadt ein. Dieser ordnete sofort umfangreiche Verteidigungsmaßnahem
gegen die ständig näher rückenden Truppen des schwedischen
Feldmarschalls Banner an und ließ die Stadt verbarrikadieren.
Das wiederum bewirkte, dass die Stadt erst 1639 nach dreijähriger
Belagerung durch die Schweden eingenommen werden konnte. 1641 im
Mai belagerte das kaiserliche Regiment des Generalwachtmeisters
Borry Zwickau und lieferte sich Gefechte mit den Schweden. Hierbei
wurden durch den Beschuss des Bauwerks ein Teil der Schlossmauer
und das Gebäude selbst sehr stark zerstört. Es blieb in
der Folgezeit fast dreißig Jahre unbewohnt.
Der Bau wurde 1650 und 1690 erneut restauriert und in der Folgezeit
sind auch wieder Fürstenbesuche nachweisbar, so z.B. Kurfürst
Johann Georg II erstmals 1665 und am 5./6. August 1673. Vom 13.
bis 17. Mai 1691 verweilte Kurfürst Johann Georg III. mit seinen
Söhnen Johann Georg und Friedrich August, dem späteren
August dem Starken, und seinem gesamten Hofstaat bei einem Zwischenaufenthalt
auf dem Schloss. Am 20. Oktober desselben Jahres hielt sich der
Kurfürst wiederum auf dem Schloss auf, diesmal allerdings als
Leichnam, nachdem er in Tübingen während des Frankreichsfeldzuges
an einer im Heer ausgebrochenen Seuche verstarb. 1693 übernachtete
Christiane Eberhardine, die Braut des Kurprinzen Friedrich August,
im Schloss. Vom 14. bis 16. Oktober weilte August der Starke, jetzt
als Kurfürst auf Schloss Osterstein.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verblasste der
Glanz, 1769 wurde das Schloss letztmalig zur Ehrung eines Landesherrn
genutzt. Es erfolgte in ihm die Erbhuldigung für Kurfürst
August III.
Ein Jahr später 1770 endet die Geschichte als Residenzschloss,
denn nun wurde der Beschluss zum Umbau in eine Landesgefangenenanstalt
gefasst. 187 Jahre sollte dies die Bestimmung des Gebäudes
werden und sie begann genau am 15. September 1775 mit 14 Insassen.
Zu Ende ging sie 1962 mit einem Beschluss des zuständigen Ministeriums
des Inneren der DDR. Hier saßen zahlreiche prominente Häftlinge
ein. Der Schriftsteller Karl May und der Mitbegründer der deutschen
Sozialdemokratie August Bebel waren die wohl regional und überregional
bekanntesten Insassen.
Nach der Schließung als Strafvollzugsanstalt der DDR wurde
alles in die Hände des Rates der Stadt Zwickau überführt.
Ab Januar 1963 beinhaltete es u. a. eine Waschanstalt und diente
für verschiedene Betriebe als Magazinraum, Teile der Anlage
wurden abgerissen und es verfiel seit etwa 1980 zusehends.
Seit 1990 scheiterten verschiedenste Wiederaufbaupläne und
das Schloss verkam immer mehr zum Schandfleck der Stadt Zwickau.
Am 3. November 2006 erfolgte die Grundsteinlegung für den
Wiederaufbau des Schlosses.